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Veröffentlicht am 20.12.2017

Neue Dorfbahn in Warth

Warum die neu Dorfbahn Warth das Leben für Skifahrer leichter macht, wie Familien profitieren und was eigentlich modernes Bergbahn-Recycling bedeutet.

Warum die neu Dorfbahn Warth das Leben für Skifahrer leichter macht, wie Familien profitieren und was eigentlich modernes Bergbahn-Recycling bedeutet.

Skifahren von und bis vor die Haustüre

Alois Bickel schließt die Tür zum Skikeller, macht ein paar Schritte über die neue Piste und wird kurz darauf von einem vertrauten „Piep“ durchs Drehkreuz gelassen – er ist einer der ersten Fahrgäste der neuen Dorfbahn in Warth. Nicht mal zwei Minuten braucht der Profi-Freerider von der eigenen Tür bis er in der neuen 8er-Kabine Platz nimmt. Kein Warten auf den Skibus, kein Fußmarsch in Skischuhen und auch keine Autofahrt ins Skigebiet. Er genießt den morgendlichen Komfort, den die neue Bahn ihm und den skibegeisterten Gästen im Warther Dorfkern bietet. Gute zweieinhalb Minuten genießt er nun den Blick aus der Kabine auf die neue Dorfpiste und Paulis Schneewelt, dann schwebt die Kabine in die Bergstation und Alois startet mit kurzen Aufwärmschwüngen runter zum Steffisalp-Express. So einen komfortablen Start in den Skitag können nur wenige Skiorte in den Alpen bieten.

„Die Idee einer Dorfbahn als direkten Zubringer ins Skigebiet gibt es bereits seit Jahrzehnten,“ sagt Günter Oberhauser, Geschäftsführer der neuen Dorfbahn. Schon 1996 wurde eine Bewilligung nach dem Gesetz für Naturschutz und Landschaftsentwicklung ausgestellt, das Projekt wurde jedoch nicht umgesetzt. Im Herbst 2016 wurde ein neuer Anlauf unternommen, der schließlich zum Erfolg führte. „Wir konnten das Bahnprojekt mit dem umfangreichen Genehmigungsverfahren in rekordverdächtiger Zeit umsetzen. Das war nur dank der fachmännischen Planungen, der engen Abstimmung mit den Herstellern, den Behörden und dem guten einvernehmen mit den Grundeigentümern möglich. Ich würde den Bau der Bahn am Dorfplatz in Warth als wichtigen Impuls für die weitere erfolgreiche Entwicklung von Warth bezeichnen. Damit genießen Skifahrer nun auch im Dorfzentrum den speziellen Komfort, direkt von der Unterkunft in den Skitag zu starten – nachdem das unsere Gäste an der Steffisalp und Jägeralp ja schon seit Jahren schätzen.“ ergänzt Oberhauser. Mit 422 Metern Länge überwindet die 8er Kabinenbahn 76 Höhenmeter bis zur Bergstation im Bereich Wannenkopf auf 1.575 Metern Höhe und ist damit eine der kürzesten Einseil-Umlaufbahnen Österreichs.

"Warth zählt nun zu den exklusiven Skiorten, die ihren Gästen den Komfort bieten, direkt von der Unterkunft in den Skitag zu starten"

Günter Oberhauser, Geschäftsführer

Wiederverwertung und stabilere Konstruktion

Wer meint, die Bahn schon mal gesehen zu haben, der liegt richtig. „Sie stand in Pettneu am Arlberg und war nur wenige Jahre in Betrieb. Nach der Schließung des Skigebiets erfolgte der Rückbau der Anlagen, dies ermöglichte den Warthern die Übernahme der Anlage. Der Seilbahnhersteller Doppelmayr und das erfahrene Team der Skilifte Warth haben die Bahn Abgebaut, generalüberholt und in Warth wieder aufgebaut. Die komfortable 8er Kabinenbahn erstrahlt nun in neuem Glanz und bietet nun auf der anderen Seite des Arlbergs zusätzlichen Ski-Komfort. Wiederverwerten macht Sinn, vorausgesetzt die örtlichen Anforderungen passen so perfekt zusammen: Die Technik, die Länge der Bahn, die Stützen, die Kabinen – für die Dorfbahn Warth war das alles wie gemacht. Gänzlich neu sind jedoch das Tragseil sowie die Gebäude der Tal- und Bergstation – ursprünglich hatte man die Stahlhallen wiederverwenden wollen, allerdings erforderten die zu erwartenden großen Schneemengen in Warth eine stabilere Konstruktion der Gebäude.

Die Fahrzeit der Bahn beträgt 2 Minuten und 20 Sekunden. Eine kurze Fahrzeit mit sehr großer Wirkung – für Skigäste, die jetzt schneller und vor allem einfacher ins Skigebiet kommen – oder auf die neuen Pisten abbiegen und zurück in Richtung Talstation fahren.

Neuer Erlebnisbereich mit Schneemann Pauli

„Neben der direkten Anbindung des Dorfzentrums an das Skigebiet wollen wir mit der Dorfbahn Warth ein völlig neues Skierlebnis für Kinder und Familien bieten – die Dorfbahn ist deshalb weit mehr als nur eine Anbindung des Zentrums ans Skigebiet,“ erklärt Thomas Übelher, Prokurist der Skilifte Warth, eine weitere Intention des Projekts. In unmittelbarer Dorfnähe und sonnenbegünstigter Lage ist eine neue Piste entstanden und daneben ein spezieller Erlebnisbereich für fortgeschrittene Anfänger, Familien und Kinder: Dieser Bereich bietet ein besonderes Ski-Erlebnis für unsere jüngsten Gäste.

In der so genannten „Paulis Schneewelt“ wird Kindern dabei spielerisch die Geschichte von Schneemann Pauli und den ausgebüchsten Schneeflocken erzählt, die im „Schneepalast“ oder bei den „Eiszapfen“ wieder eingesammelt werden müssen. „Hier bieten wir einen ideal gestalteten Erlebnisbereich, für alle, die unserem Anfängerbereich „Paulis Kinderland“ unterhalb des Warther Hofs entwachsen. Die Kabinenbahn ist dafür wie gemacht. Jetzt haben wir in Warth also zwei Übungsbereiche für unterschiedliche Ansprüche. Das ist ideal,“ erklärt Übelher. Ausgehend von der Bergstation wird  es auch eine neue Rodelbahn und einen Winterwanderweg geben.

"Wir wollen mit der Dorfbahn Warth das Skierlebnis für Kinder und Familien deutlich steigern."

Thomas Übelher, Prokurist

Eine Bahn als Gemeinschaftsprojekt

Man merkt, dass man sich in Warth viele Gedanken gemacht hat über das neue Angebot und Zweck der neuen Bahn, über die genaue Positionierung im Ort, den Bauablauf und die alpine Raumgestaltung. Die Initiatoren der neuen Dorfbahn sind stolz, dass dabei so viele Partner erfolgreich zusammenarbeiteten: Gelingen konnte das Vorhaben als lokales Gemeinschaftsprojekt: Die Skilifte Warth, die Gemeinde Warth und die Raiffeisenbank Lech-Warth sind ebenso beteiligt wie die Hoteliers und Gastronomen Rainer Huber und Thomas Walch aus Warth sowie die Betreiber des Projekts Hotel Biberkopf. Sie alle wollten die Zukunft der lokalen Infrastruktur selbst in die Hand nehmen und gemeinsam an diesem Ziel arbeiten. Ein Ziel das Einheimische wie auch den Gästen in Warth gefallen wird, wenn sie nach einem langen Skitag im Schnee vor der Haustüre wieder abschwingen können.

 

Das Projekt Dorfbahn im Überblick:
  • Bauherr: Dorfbahn Warth GmbH & Co KG
  • Bahnsystem: Komfortable 8er Gondelbahn
  • Inbetriebnahme: Dezember 2017
  • Beförderungsleistung: 850 Personen/Stunde
  • Fahrgeschwindigkeit: 3 m/s
  • Fahrzeit: 2:34 min
  • Anzahl Stützen: 5
  • Anzahl Fahrbetriebsmittel: 12 Kabinen à 8 Personen
  • Länge: 422 m
  • Höhenunterschied: 76 m
  • Höhe Talstation: 1.499 m
  • Höhe Bergstation: 1.575 m
  • Projektleitung: Gebrüder Rüf www.ruefbau.com/
  • Gesellschafter: Skilifte Warth, Gemeinde Warth, Raiffeisenbank Lech-Warth, Hotel Biberkopf, Thomas Walch, Rainer Huber
  • Hersteller: Doppelmayr www.doppelmayr.com 
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