Eröffnung der neuen Jägeralpbahn im Jahr 1979
Veröffentlicht am 18.06.2018

Die 70er Jahre: Am Mute hängt der Erfolg

Der Mut der Gesellschafter trägt in den 1970er Jahren Früchte, die Skilifte steigen zum drittgrößten Skigebiet Vorarlbergs auf. Mit dem Olympia-Erfolg von Wiltrud Drexel und den Österreichischen Meisterschaften steigert Warth seinen Bekanntheitsgrad. Innerhalb von acht Jahren verdoppelt sich im Walserdorf die Anzahl der Gästebetten.

 

Der Mut der Gesellschafter trägt in den 1970er Jahren Früchte, die Skilifte steigen zum drittgrößten Skigebiet Vorarlbergs auf. Mit dem Olympia-Erfolg von Wiltrud Drexel und den Österreichischen Meisterschaften steigert Warth seinen Bekanntheitsgrad. Innerhalb von acht Jahren verdoppelt sich im Walserdorf die Anzahl der Gästebetten.

 

„Am Mute hängt der Erfolg“, schrieb einst der Schriftsteller Theodor Fontane. Die Ent wicklung der Skilift-Gesellschaft bestätigt dieses Zitat: In den 1960er Jahren trafen die Gesellschafter oft mutige Entschei dungen, in den 1970er Jahren können sie die frühen Früchte davon ernten. Die Teilhaber blicken mit Vertrauen in die Zukunft – und investieren: 1972 werden der Wannenkopf- und der Sonnenlift gebaut. Der Wannenkopf-Schlepplift bewährt sich als Schlechtwetter- und Übungslift. Mit dem Sonnenlift am Fuße des Widdersteins wird ein sonniger, sanfter Hangerschlossen, der vor allem bei Familien und Anfängern sehr beliebt ist. Den neuen Skibus-Service zwischen Steffisalp und Salober schätzen die Gäste sehr.

 

Bereits 1972 richten die Gesellschafter ihren Blick nach Lech und diskutieren über eine Verbindung der beiden Skigebiete. Priorität besitzt jedoch das eigene Skigebiet: Die Erschließung der Jägeralpe und der Bau eines Verbindungsliftes zum Salober werden erörtert. Im Bereich der Steffisalp Talstation erwirbt die Skilift-Gesellschaft Grundstücke, um dort zusätzliche Parkplätze zu bauen. Sie kauft weitere, für die Zukunft wichtige Liegenschaften – trotz der bescheidenen Geldmittel. Die Gesellschafter agieren mit Weitblick. Ende 1971 ändern sich die Strukturen in der Skilift-Gesellschaft: Die neu gegründete Hochtannberg Seillifte Erschließungs GmbH wird als Komplementärin eingesetzt. Bisher hatte eine Person, die mit ihrem Privatvermögen haftete, diese Funktion inne.

 

Viel versprechende Zeiten

Der technische Fortschritt erleichtert in den 1970er Jahren die Betriebsführung: 1971 stationiert das Land Vorarlberg die erste Schneefräse in Warth, bis 1972 wird der Parkplatz der Steffisalp von der Straßenmeisterei-Fräse geräumt. Da nach werden eigene Geräte der Skilift-Gesell schaft eingesetzt. 1972 kaufen die Skilifte Warth ein zweites Pistengerät. Im Dorf selbst brechen viel versprechende Zeiten an. Die Warther investieren in den Ausbau der Gästezimmer und der touristischen Infrastruktur, sodass der Fremdenverkehr floriert: 1971 zählt Warth 509 Gästebetten, acht Jahre später bereits 1085. Die Zufahrtsstraßen in das höchstgelegene Bergdorf Vorarlbergs werden in den 1970er Jahren laufend lawinensicher ausgebaut. War die Gemeinde 1965 mehr als 120 Tage lang vom Bregenzerwald abgeschnitten, sind es in der Saison 1973/74 nur noch 23 Tage. Warth mit seinen schneesicheren Pisten etabliert sich im stärker werdenden Wettbewerb des Wintertourismus.

 

Internationale Aufmerksamkeit erfährt das Dorf, als die Wartherin Wiltrud Drexel am 8. Februar 1972 bei den Olympischen Spielen in Sapporo im Riesentorlauf die Bronzemedaille er kämpft. Empfangen wird sie wie eine Olympiasiegerin: Beim Triumphzug durch die Gemeinden von Bregenz nach Warth – organisiert von Lothar Bösch und dem Skiclub Bregenzerwald – jubeln tausende Menschen der Wartherin zu. Ein weiterer Meilenstein für die aufstrebende Tourismusgemeinde ist die Durchführung der Internationalen Österreichischen Meisterschaften Alpin 1974. Die aktuellen Stars des Ski-Zirkus wie Fabienne Serrat, Annemarie Moser-Pröll oder David Zwilling liefern sich auf den bestens präparierten Pisten ein spannendes Rennen. 15.000 Zuschauer verfolgen gebannt die spektakuläre Wartherhorn-Abfahrt, diese Abfahrt gilt einige Jahre danach noch als schnellste der Welt. Die Warther Sensation wird perfekt: In einem Hundertstel-Krimi gewinnt Wiltrud Drexel gegen Annemarie Moser-Pröll. Das Dorf verfällt in Freudentaumel und lässt seine Skiheldin bis in die frühen Morgenstunden hochleben.

Starke Erweiterung des Skigebietes

Von den 50 Jahren, in denen ich stets in Führungsgremien mitwirkte, waren die 1970er besonders spannend: Das Skigebiet  wurde stark erweitert, Warth steigerte seinen Bekanntheitsgrad erheblich.

 

Lothar Bösch
Lothar Bösch

Lawinenerlass gefährdet Weiterführung des Betriebs

Nur ein Jahr später stehen die Skilifte Warth vor einer fast unüberwindbaren Herausforderung: Nach einem  Lawinenunglück in einem österreichischen Skigebiet erlässt das Verkehrsministerium 1975 den Lawinenerlass und fordert permanente Lawinenschutzmaßnahmen für Bahnanlagen. Am Wartherhorn und am Wannenkopf bestehen keine Lawinenverbauungen – deshalb droht die Betriebseinstellung für die Steffisalp-Bahn, die Zubringerbahn ins Skigebiet. Nach intensiven Verhandlungen mit der Behörde wird eine Lösung für den sicheren Weiterbestand gefunden: Bis zur Errichtung der Lawinenverbauungen kann der Betrieb mit temporären Schutzmaßnahmen weiter geführt werden. Eine dieser Maßnahmen ist der Bau einer Lawinensprengbahn. Zusätzlich muss die Lawinenkommission täglich die Lage beurteilen und sämtliche Pisten sowie Bahnen frei geben. In den folgenden Jahren werden massive Lawinenverbauungen im Bereich Wannenkopf und Wartherhorn errichtet, für welche die Skilift-Gesellschaft beachtliche Beträge bereitstellt.

 

Nachdem die Weiterführung des Unternehmens gesichert ist, kauft die Gesellschaft 1975 das Gasthaus Lechtalblick, das neben der Talstation des Steffisalp-Liftes steht. Den Skilift-Verantwortlichen liegt das Rundum-Wohl der Skifahrer am Herzen, sie möchten ihnen eine preiswerte und gute Verpflegung im Skigebiet ermöglichen. Josef und Hermi Simma führen den Lechtalblick über viele Jahre mit großem Engagement. All die Investitionen zeigen Wirkung, das  Gästeaufkommen steigt. 1976 wird die Kapazität des Einer-Sesselliftes Steffisalp von 470 auf 900 Personen pro Stunde erhöht. Ein Jahr später nimmt der „Kitze-Lift“, ein Stemag-Lift, seinen Betrieb auf. Viele Kinder üben hier ihre ersten Schwünge.

Drittgrößtes Skigebiet Vorarlbergs

Die Skigebiete Warth und Schröcken rufen 1977 nach intensiven Verhandlungen die Tarif- und Werbegemeinschaft  „Skitreff Hochtannberg“ ins Leben. Damit die Gäste komfortabler von einem Skigebiet ins andere gelangen, diskutieren Vertreter der Gesellschaften über den Bau eines Verbindungsliftes, der zugleich die schneesicheren Pisten des Hochalp-Plateaus erschließen soll. Im Gespräch sind der Mulden- und der Karhornlift, projektiert wird schließlich der Hochalplift.

 

Gleichzeitig wird der Bau der Jägeralpbahn beschlossen. 1979 stocken die Gesellschafter das Kapital auf, um die Projekte zu realisieren. Der Spatenstich für die beiden Bahnen erfolgt erst Ende August 1979. Trotz schwieriger Umstände – häufiger Schneefall, kaum Hubschrauber im Einsatz – gelingt es bis zum Saison start im Dezember, die Anlagen in Betrieb zu nehmen. Der Ministerialbeamte, der die Betriebsbewilligung erteilt, zeigt sich von der Jägeralpbahn beeindruckt: „Ich habe vermutet, hier eine Baustelle anzutreffen. Ich habe mich sehr getäuscht, denn ich habe eine Anlage gesehen, wie es sie selten gibt.“ Das Thema Nachhaltigkeit  wird bei den Skiliften Warth bereits Ende der 1970er Jahre gelebt: Durch Wärmerückgewinnung bei der Jägeralpbahn kann die Bergstation beheizt werden. Die Skilifte Warth betreiben inzwischen acht Anlagen. Dank der beiden neuen Bahnen und der damit erfolgten Verbindung nach Schröcken, wird Warth-Salober zum drittgrößten Skigebiet in Vorarlberg.  Knapp 17 Jahre sind seit der Gründung der Skilifte Warth ins Land gezogen. Die Gesellschafter haben bisher auf jegliche Auszahlung verzichtet und statt dessen investiert: 63 Millionen Schilling (4,58 Millionen Euro) von 1963 bis 1980.

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