1er Sessellift Steffisalp in Warth am Arlberg
Veröffentlicht am 18.06.2018

Die 60er Jahre: Start mit Hindernisssen

Das Jahr 1963 ist eine Zäsur für das Dorf Warth: Die Skilifte Warth werden gegründet, der neue Steffisalplift verspricht eine Chance im Fremdenverkehr, dieser bietet Perspektive für die Bevölkerung im Walserdorf. Die ersten Betriebsjahre der Skilifte gestalten sich schwierig. 1968 treten die Gesellschafter die Flucht nach vorne an.

Das Jahr 1963 ist eine Zäsur für das Dorf Warth: Die Skilifte Warth werden gegründet, der neue Steffisalplift verspricht eine Chance im Fremdenverkehr, dieser bietet Perspektive für die Bevölkerung im Walserdorf. Die ersten Betriebsjahre der Skilifte gestalten sich schwierig. 1968 treten die Gesellschafter die Flucht nach vorne an.

Warth, Anfang der 1960er Jahre: Das Walserdorf zählt 120 Einwohner, die Landwirtschaft ist in der kargen Bergregion eine der wenigen Möglichkeiten, das tägliche Brot zu verdienen. Der Fremdenverkehr steckt in den Kinderschuhen, er bietet für einige Warther einen willkommenen Nebenverdienst. Das Dorf verfügt über 220 Gästebetten. Die Zimmer sind spartanisch eingerichtet: Anstelle von Fließwasser gibt es Wasserkrug und Schüssel, die WCs befinden sich am Gang. Die Winter sind hart und schneereich, dauern sechs Monate und länger. Oft ist die Gemeinde von der Außenwelt abgeschnitten, manchmal wochenlang. Die jungen Warther, die eine Ausbildung nach der Hauptschule absolvieren möchten, verlassen das Dorf. Meinrad Hopfner, Bürgermeister und Lehrer von Warth, befürchtet, dass sie nicht zurückkehren und die Zukunft des Bergdorfes gefährdet ist.

 

In der Schneesicherheit Warths sieht Meinrad Hopfner eine große Chance für seine Heimat: Durch einen Sessellift, der die attraktiven Hänge am Fuße des Wartherhorns erschließt, könnten der Fremdenverkehr angekurbelt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Warther diskutieren über die Verwirklichung dieser Idee und erkennen bald, dass sie dafür finanzstarke Partner benötigen. 1962 lädt die Gemeinde einen norwegischen Interessenten und Liftproduzenten ein, der die Erschließung projektieren soll. Mit einem geliehenen, schwarzen Mercedes wird er in Zürich abgeholt, 14 Tage logiert der Herr in Warth. Danach meldet er sich nicht mehr.

 

Meinrad Hopfer - eine Schlüsselfigur für das Walserdorf

Meinrad Hopfner, von 1960 bis 1992 Warther Bürgermeister und langjähriger Schulleiter, war eine Schlüsselfigur für das Walserdorf: Mit seinem Enthusiasmus und seiner Überzeugungskraft gewann er Gesellschafter für das Skilift-Projekt und engagierte sich als Geschäftsführer der Skilifte von 1963 bis 1991 rund um die Uhr für die Gesellschaft sowie für das Dorf. 1986 wurde er zum Ehrenbürger von Warth ernannt. Der gebürtige Alberschwender starb 1994 im Alter von 68 Jahren, seine letzte Ruhestätte befindet sich am Warther Friedhof.

 

Meinrad Hopfner, Bürgermeister Warth am Arlberg
Meinrad Hopfner

Mut und Weitblick der Gesellschafter

Meinrad Hopfner lässt sich davon nicht entmutigen. „Ich kümmere mich um den Lift, baut ihr die Betten“, lautet sein geflügeltes Wort. Wertvolle Mitstreiter findet er in Vize-Bürgermeister Ferdinand Fritz, Franz-Josef Weissenbach, dem Tirolerhof-Wirt Walter Huber und dem Betreiber des Ruth-Liftes, Alwin Stadelmann. Schließlich werden Interessenten aus dem Rheintal und einige deutsche Gäste, die Warth schätzen, für das Projekt gewonnen. Am 19. März 1963 lädt das Aktionskomitee zur Projektvorstellung in den Tirolerhof. Im Winter ist Warth Anfang der 1960er Jahre per Pkw weder von Lech noch vom Bregenzerwald aus erreichbar – die Interessenten fahren in vier Stunden über das Tannheimer- und Lechtal in das Walserdorf. Beim Rückweg bekommen sie die Launen der Natur zu spüren: Die Lechtalstraße wird beim Biberkopf von einer Lawine verschüttet und muss erst von einer Fräse aus dem Lechtal geräumt werden. Sieben Stunden dauert die Rückreise ins Rheintal.

 

Die Interessenten entscheiden sich dennoch für das Projekt. Sie beweisen damit Mut und auch Weitblick: Der Wohlstand in Österreich wächst in jenen Jahren, die Arbeitszeit wird verkürzt – das könnte die Menschen auf die Pisten locken.Bereits wenige Monate später, am 1. Juni 1963, findet im Tirolerhof die  Gründungsversammlung der Skilifte Warth-Strolz KG statt. Der Bau des Einer-Sesselliftes Steffisalp wird beschlossen. Der Ruth-Lift von Alwin Stadelmann im Dorf wird dem neuen Unternehmen eingegliedert. Die Gesellschaft besteht aus Rheintaler und deutschen Teilhabern, vielen Warther und einigen Lecher Teilhabern. Die Führungsspitze bilden Komplementär Johann Strolz, Geschäftsführer Meinrad Hopfner, Ausschuss-Vorsitzender Richard Fritz, sein Stellvertreter Alwin Stadelmann sowie die Ausschuss-Mitglieder Lothar Bösch, Robert Hefel, Johann Pfefferkorn und Eduard Rohrbacher.

 

Die Bauarbeiten werden umgehend aufgenommen, bereits am 24. Juni 1964 informiert Meinrad Hopfner die Gesellschafter über den Baubeginn. Der gebürtige Alberschwender ist so sehr von dem Projekt überzeugt, dass er den Lift bei der Firma Steurer bereits vor der Gründungsversammlung bestellt hat. Hätte er es nicht getan, wäre die Bahn in dieser Saison nicht mehr lieferbar gewesen.

 

Gründung der Skilifte Warth

Alwin Stadelmann begeisterte mich für die Erschließung des Skigebiets. Diese Idee fand bald großes Interesse und führte zur Gründung der Skilift-Gesellschaft.

Robert Hefel
Robert Hefel

Erfolgreiche erste Saison mit 50.000 Fahrten

Am 14. Februar 1964 nimmt der Einer-Sessellift Steffisalp den Betrieb auf. Die Freude im Dorf ist groß. Da die Straße nach Lech in dem milden Winter meist geöffnet ist und die Warther Hänge sehr schnee sicher sind, findet sich von der Nachbargemeinde hoher Besuch ein: Der frühere Bundeskanzler Bruno Kreisky und die damalige holländische Königin Juliana frönen bei der Steffisalp dem Skivergnügen. Die erste Saison verläuft sehr gut, knapp 50.000 Fahrten werden gezählt. Der Bau der Bahn kostet mit 4,04 Millionen Schilling (293.604 Euro) um einiges mehr, als kalkuliert wurde. Deshalb wird bei der Gesellschafterversammlung 1964 eine Kapitalaufstockung beschlossen. Robert Hefel übernimmt in dieser schwierigen Phase die Funktion des Komplementärs. Nachdem die Betriebsleitung im ersten Winter durch Erich Müller von Oberlech aus erfolgte, wird nun ein eigener Betriebsleiter gesucht. Robert Hefel gewinnt den Dornbirner Helmut Zimmermann für diese Herausforderung. Der junge Elektriker, der zuvor bei den Bödeleliften und der Karrenseilbahn arbeitete, tritt seine Stelle am 1. Jänner 1965 an.

 

Die Winter Mitte der 1960er Jahre sind streng und schneereich. Warth ist tagelang vom Lechtal, wochenlang von Lech und monatelang vom Bregenzerwald ab ge schnitten. Nur wenige Gäste kommen nach Warth, die erhofften Frequenzen werden nicht erreicht. Im Jänner 1965 erwirtschaftet die Skilift-Gesellschaft einen Monatsumsatz von 1.740 Schilling (126,38 Euro). Wurden in der ersten Saison beinahe 50.000 Fahrten erreicht, sind es in der zweiten nur noch 18.997. Die Stimmung ist gedrückt. Meinrad Hopfner versucht,mit Galgenhumor zu motivieren. Sein oft gehörter Spruch jener Tage: „Alle strömen dem Lift entgegen, da kommt schon wieder einer!“ Die Gesellschaft gerät in eine schwierige finanzielle Lage, die Gemeinde steht ihr zur Seite und streckt das Geld für die Löhne vor. Die Mitarbeiter der Skilifte müssen sich mit einfachen Mitteln zu helfen wissen: Der Sportunterricht der Warther Schüler wird kurzerhand ins Freie verlegt, damit sie die Pisten treten können. Unterstützung erhalten sie von Gästen, die dafür Freikarten bekommen. Da sich die Straßenverwaltung bei der Skilift-Gründung nicht verpflichtet hat, die Straße vom Ortskern zum Lift freizuhalten, hilft manchmal der Bauer Alfred Fritz aus: Er lässt seinen Ochsen mit dem Gespann einen Weg trampeln.

 

Flucht nach vorne

1967 scheint einigen Gesellschaftern die Lage so prekär, dass sie über die Einstellung des Liftes diskutieren. Die beiden Lecher Teilhaber Martin Walch und Johann Pfefferkorn raten hingegen, zu investieren und einen weiteren Lift zu bauen. Dadurch bestärkt beweisen die Gesellschafter erneut Mut und treten die Flucht nach vorne an. 1968 erhöhen einige das Kapital, die Erschließung in Richtung Wartherhorn wird projektiert. Hans Hefel übernimmt in dieser entscheidenden Phase die Funktion des Komplementärs und Geschäftsführers. Nach intensiven Dienstbarkeitsverhandlungen fällt im September der Startschuss zum Bau des Wartherhorn-Liftes. Kurz vor Weihnachten kann der Schlepplift bereits in Betrieb genommen werden. In der Silvesternacht 1968 trifft das langersehnte, erste Pistengerät, ein Ratrac, in Warth ein. Bis in die frühen Morgenstunden wird dieses Ereignis gefeiert.

 

Der Mut der Gesellschafter wird belohnt, es geht stetig aufwärts: Der Winter 1968/69 verläuft erfolgreich, die attraktiven und schneesicheren Hänge am Wartherhorn-Lift sind beliebt, die Frequenzen nehmen zu. Die Skilifte Warth treten der Wälderblock-Gemeinschaft bei. Die Gesellschafter möchten dem Gast zusätzlich zum Skivergnügen eine Verpflegung im Skigebiet ermöglichen. Im Betriebs wär terhäuschen der Bergstation Steffisalp wird deshalb ein einfacher Kiosk er rich tet. Auf einem Doppelgasherd kocht Josefa Strolz Würstchen, es werden Limo und Bier verkauft. Im Dorf erfolgen ebenfalls entscheidende Maßnahmen für die Zukunft: Die Vermieter beginnen zunehmend, ihre Zimmer auszubauen und den Standard zu erhöhen. 1968 fällt nach intensiven Bemühungen von Meinrad Hopfner der Startschuss für den lawinensicheren Ausbau in den Bregenzerwald. Warth, Ende der 1960er Jahre: Das Dorf wandelt sich. Der aufkommende Fremdenverkehr bietet den Warthern eine Perspektive. Sie sind ermutigt, in die Zukunft zu investieren.

 

Mutig einen Schritt nach Vorne

1968 war das Jahr von zentraler Bedeutung: Wir entschieden uns für einen Schritt nach vorne, bewiesen Mut, bauten den Wartherhornlift und kauften ein Pistengerät.

Hans Hefel
Hans Hefel

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