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Veröffentlicht am 12.12.2017

Bei Nordstau in der Pole-Position

Warth-Schröcken gilt als das schneereichste Skigebiet der Alpen. Aber warum ist das eigentlich so? Die Meteorologin Dr. Lea Hartl von www.powderguide.com hat eine Erklärung für wetterinteressierte Powder-Suchende.

 

von Dr. Lea Hartl

Warth-Schröcken gilt als das schneereichste Skigebiet der Alpen. Aber warum ist das eigentlich so? Die Meteorologin Dr. Lea Hartl von www.powderguide.com hat eine Erklärung für wetterinteressierte Powder-Suchende.

 

von Dr. Lea Hartl

Der Nordstau bringt den Schnee

Der in Freeriderkreisen legendäre Nordstau hat nichts mit dem Berufsverkehr zu tun, sondern ist das Wetterphänomen, dem Warth-Schröcken seinen besonderen Schneereichtum verdankt. Das Vorarlberger Skigebiet ist quasi der Inbegriff einer Nordstaulage. Nord- und Nordwestwetterlagen bringen hier besonders viel Neuschnee.

Was passiert eigentlich genau?

Bei Nordstau werden Luftmassen aus nordwestlicher bzw. nördlicher Richtung über Mitteleuropa an die Alpen gelenkt. Sie haben sich über dem Atlantik oder dem Nordmeer mit Feuchtigkeit angereichert und wollen diese baldmöglichst abladen. Das geschieht am nächsten größeren Hindernis. Die feuchte Luft verhält sich dann ähnlich wie Wasser, das in einem Bach über oder an einem Stein vorbeifließt. Das Hindernis Alpen ist so groß, dass es nicht umströmt werden kann, sondern überströmt werden muss. Die aus Norden eintreffenden Luftmassen stauen sich an den Bergen und steigen in die Höhe, um den Berg zu überwinden. Dabei kühlt die Luft ab bis Stauniederschlag einsetzt – der Nordstau ist angerichtet.

Warth-Schröcken – bei Nordstau in der Pole-Position

Wenn im Wetterbericht Begriffe fallen wie "Skandinavientief" oder "Hoch über England" darf man als Freerider in den Nordalpen hellhörig werden. Damit sind die Grundzutaten für einen Nordstau schon angerichtet. Wenn es dann noch um "starke Druckgegensätze", "kalte Polarluft" oder einen "Kaltluftausbruch" geht, sollte man zeitnahen Urlaub einreichen und die Powderlatten wachsen.

 

Wenn die Anströmungsrichtung und die entsprechenden Windpfeile im Wetterbericht direkt aus Norden kommen, strömt Luft gegen die Alpen, die aus den Polargebieten kommt und sehr kalt ist. Je nach Wind ist der Schnee dann oft besonders fluffig, aber man sollte sich warm anziehen. Liegen Englandhoch und Skandinavientief etwas verschoben, kommt die Luft eher aus Nordwesten vom Nordatlantik. Es ist dann meist etwas wärmer und der Schnee ist vielleicht ein bisschen weniger flauschig, aber als Grundlage umso besser.

Großräumige Stauniederschläge fallen dort am kräftigsten aus, wo das für Hebung sorgende Gebirge rechtwinklig zur Anströmungsrichtung liegt. Bei reinen Westlagen sind daher vor allem der französische Alpenbogen und die Westschweiz begünstigt, während sich das Niederschlagsmaximum bei Nordwest- und Nordanstömung nach Osten Richtung Österreich verlagert.

 

Regional betrachtet liegen Warth-Schröcken und das gesamte Arlberggebiet sowohl bei Nordwest- als auch bei Nordlagen günstig. Während der Alpenbogen weiter im Westen noch eher von Südwesten nach Nordosten verläuft, dreht er etwa auf Höhe des Bodensees zunehmend auf West-Ost. So sorgen je nach der genauen Lage der Druckzentren sowohl Nordwestlagen als auch reine Nordlagen hier für ergiebigen Stauniederschlag.

 

Bei einer kräftigen Nord- oder Nordwestlage kommt es zwar recht flächig zu Stauniederschlag, lokal unterscheiden sich die Neuschneemengen aber oft erheblich. Das ist großteils durch lokale, topographische Effekte bedingt. Wieder profitiert Warth-Schröcken ganz besonders von seiner geographischen Lage: Kommt der Niederschlag direkt aus Norden, können die feuchten Luftmassen über die niedrigeren Berge im Allgäu und durch das Kleinwalsertal relativ ungehindert nach Süden vordringen, bis sie am Widderstein auf eine große Barriere treffen. Was hier noch nicht hängen bleibt, staut sich eine Bergkette weiter an Karhorn und Warther Horn. Hat die Anströmung eine stärkere Westkomponente, kann die feuchte Luft das Tal der Bregenzer Ach hinauf fließen, bis sie sich wiederum im Talschluss, also in Warth-Schröcken, staut.

 

Auch andere Faktoren - vor allem geringere Windanfälligkeit - können gefühlt ein bedeutendes Mehr an Neuschnee bewirken, was den „Schneeloch“ Status mancher Gebiete noch erhöht. Das Skigebiet Warth-Schröcken liegt zwischen 1500 und ca. 2000m Seehöhe und ist damit vor den starken Winden in größeren Höhen geschützt. Durch die großteils nördliche Ausrichtung des Geländes bleibt der Schnee zudem länger kalt und pulvrig.

Informationen zu Schnee und Wetter im Netz

Die erste Anlaufstelle, um sich vor dem Skiausflug über die Schnee- und Lawinenlage zu informieren, ist der Lawinenwarndienst. Aufgrund der Nähe zu Tirol und Bayern ist es in Warth-Schröcken sinnvoll, neben dem Vorarlberger Bulletin auch jene dieser Regionen zu lesen. Besonders der Tiroler Lawinenwarndienst bietet auf seinem Blog viele wertvolle Zusatzinformationen.

 

Lawinenlagebericht:

Vorarlberg: warndienste.cnv.at/dibos/lawine/

Tirol: lawine.tirol.gv.at/home/lagebericht/

Blog Tirol: lawinenwarndienst.blogspot.co.at/

Bergwetter:

Prognosen findet man unter anderem bei der ZAMG und beim Alpenverein. Auch hier ist es sinnvoll, sich die regionalen Prognosen sowohl für Vorarlberg als auch für Tirol und die Ost-Schweiz anzusehen.

 

Neuschneeprognose:

PowderGuide.com bietet zudem ein umfangreiches Angebot an Wetterdaten, von Neuschnee- und Sonnenscheinprognosen über hochauflösende Schneehöhenkarten bis zu redaktionellen Angeboten. In wöchentlichen Kolumnen zum Wettergeschehen und der Entwicklung der Schneedecke wird das aktuelle Geschehen erklärt. www.powderguide.com